Alte Muster in neuen Rollen

Schema-Therapie wurde für die therapeutische Arbeit entwickelt. Sie beschreibt, wie früh erlernte Überzeugungen, sogenannte Schemata, das heutige Erleben und Verhalten steuern. Wer als Kind gelernt hat, dass er nur dann wertvoll ist, wenn er Leistung bringt, wird das als Erwachsener kaum ablegen. Er wird es stattdessen perfektionieren.

Was hat das mit Führung zu tun? Alles.

Führung ist kein technisches Problem. Es ist ein persönliches. Wer führt, bringt seine gesamte Biografie mit in den Raum. Die Überzeugungen über Autorität. Die Erfahrungen mit Kritik. Die Muster, wie er auf Widerspruch reagiert oder Lob vergibt. Diese Muster entstammen nicht dem letzten Seminar, sie entstammen dem Leben davor.

Das Schema der Unfehlbarkeit zum Beispiel: die Überzeugung, dass Fehler nicht passieren dürfen, weil sie Schwäche bedeuten. Führungskräfte mit diesem Muster geben kein Feedback, weil sie keines empfangen können. Sie umgeben sich mit Menschen, die ihnen zustimmen, weil Widerspruch sich bedrohlich anfühlt. Das Team merkt das, auch wenn niemand es ausspricht.

Warum Selbstkenntnis keine Nabelschau ist

Schema-Therapie lehrt, dass Muster nicht böse Absichten sind. Sie sind Lösungen. Bewährte Strategien aus einer Zeit, in der sie nötig waren. Das Problem: Strategien aus der Vergangenheit lösen Probleme der Gegenwart oft nicht. Sie verschärfen sie.

In meiner Arbeit als systemischer Business Coach ist die Analyse dieser Muster kein Selbstzweck. Es ist der erste Schritt eines Dreischritts:

Analyse: Welches Muster ist gerade aktiv? In welchen Situationen reagieren Sie immer gleich, obwohl die Situationen verschieden sind?

Bewertung: Was schützt dieses Muster? Was kostet es? Was würde passieren, wenn Sie anders reagierten?

Intervention: Welche konkrete Situation bietet einen Einstieg? Nicht im Allgemeinen, sondern morgen, in diesem Meeting, mit dieser Person.

Das ist keine Therapie. Es ist Führungsentwicklung mit Tiefe.

Was sich verändert, wenn Muster sichtbar werden

Wenn eine Führungskraft bemerkt, dass sie unter Druck immer zum Kontrolleur wird, nicht weil Kontrolle nötig ist, sondern weil sie Angst hat, Fehler verantworten zu müssen, dann verändert sich etwas. Nicht sofort. Aber der Blick wird klarer.

Sichtbare Muster verlieren Macht. Nicht vollständig und nicht auf Knopfdruck. Aber sie werden zu etwas, mit dem man arbeiten kann. Zu etwas, das bewertet werden kann: Brauche ich das gerade wirklich, oder folge ich einer alten Logik?

Schema-Therapie liefert in diesem Kontext keine Techniken für Führungskräfte. Sie liefert ein Vokabular für das, was ohnehin passiert. Und ein Vokabular für eigene Muster ist der Anfang von Kopf und Herz in der Führung: Klarheit über sich selbst, bevor man Klarheit von anderen erwartet.

Wenn Sie spüren, dass Sie in bestimmten Situationen immer dieselben Reaktionen zeigen und das Ergebnis selten besser wird, lohnt sich ein Gespräch. Mehr dazu, wie systemisches Coaching dabei ansetzt: Was systemisches Coaching leistet.

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